In der ersten Sitzung: „Trennt euch!“

Sollte ein Psychologe oder Arzt im Rahmen eines Erstgesprächs zu einer Trennung raten?

Verfrühte direkte Handlungsanweisungen sind aus vielen Gründen kritisch zu sehen. Insbesondere im Erstgespräch kann sowas fatale Konsequenzen haben. Auch wenn sich bestimmte Wissenschaftler auf das Erleben und Verhalten von Menschen spezialisiert haben, sind es keine Hellseher, die den Fall in voller Tiefe sofort durchdringen können. Insbesondere Tiefenpsychologen und Analytiker wissen, dass Beratungs- und Therapieprozesse ihre Zeit brauchen und diese sollte man sich auch nehmen.

Darüber hinaus konnte eine Studie festhalten, dass bei Paartherapeuten, die sich wegen schweren Konflikten in der eigenen Partnerschaft getrennt haben, Klienten-Paare viel häufiger während einer Therapie die Beziehung beendeten als bei Paartherapeuten, bei denen es nicht zur Trennung kam und ein anderer Umgang mit der Situation gefunden wurde.

Dies zeigt, was passiert, wenn eigene Vorstellungen und Erfahrungen der Paartherapeuten ungefiltert an Klienten herangetragen werden. Schließlich soll das Paar im Verlauf der Paartherapie oder -beratung eine für sie passende Lösung entwickeln.

Generell können direkte Handlungsanweisungen ein schwieriges Thema sein und müssen unabhängig vom Therapiekonzept immer mit Bedacht und Gewissenhaftigkeit eingesetzt werden. Es gibt per se kein Verbot jemanden zur Trennung zu raten und manchmal mag es durchaus Sinn machen, aber nichtsdestotrotz bleiben solche übereilten Ratschläge gefährlich.

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